Max Schmeling

Die Legende

Max Schmeling gegen Joe Louis

Es war ein regne­ri­scher Abend, als Max Schme­ling am 19. Juni 1936 mit einer halben Stunde Verspä­tung im Wiege­raum des New Yorker Yankee Stadions eintraf. Der größte Kampf seiner Karriere stand ihm bevor: der WM Ausschei­dungs­kampf gegen Joe Louis, das Boxgenie der 30er und 40er Jahre. 17 Siege in 17 Kämpfen, 14 davon durch k.o. — das war Louis Bilanz. Er war der Held der schwarzen Bevöl­ke­rung in den USA.

Die ameri­ka­ni­sche Hearst-Presse stili­sierte die Begeg­nung zu einer Schlacht der Konti­nente. Amerika gegen Hitler-Deutsch­land, Schwarz gegen Weiss. Das 21-jährige Talent Joe Louis gegen den zehn Jahre älteren Veteran Max Schme­ling.

Die Kämpfer indes zeigten sich von dem Wirbel um sie nicht beein­druckt. Max Schme­ling begrüßte den Mund­har­mo­nika spie­lenden Louis auf seine gewohnt herz­liche Art, schüt­telte ihm die Hand und sagte: „Ich hoffe, es wird ein guter Kampf.“ Joe Louis war sich seines Sieges sicher. Doch Schme­ling hatte sich wie immer akri­bisch vorbe­reitet und die Schwä­chen seines Gegners analy­siert: Louis ließ nach linken Haken häufig die Deckung fallen. Das eröff­nete Schme­ling Konter­chancen.

Das Jahrhundertereignis

Empfang in Berlin-Tempelhof, 1936

Der Kampf wurde aus New York in alle Welt über­tragen. 90.000 Zuschauer waren gekommen. Auf den 700 Pres­se­plätzen drängten sich 2000 Jour­na­listen. Es war ein Jahr­hun­dert­er­eignis. Die Stimme des Radio­re­por­ters Arno Hellmis trug die Stadi­on­at­mo­sphäre in die Wohn­zimmer und Kneipen der deut­schen Fans.

In der berühmten 4. Runde gelang Schme­ling mit seiner Konter­stra­tegie ein schwerer Treffer, der seinen Gegner sicht­lich erschüt­terte. Doch immer wieder erholte sich Joe von den harten Schlägen, über­stand schwerste Treffer. Erst in der 12. Runde, nach einem der packendsten Duelle in der gesamten Boxge­schichte, schickte Schme­ling seinen Gegner mit einer Serie von schweren rechte Geraden endgültig auf die Bretter.  Die Sensa­tion war perfekt. Der scheinbar Unschlag­bare war geschlagen – der chan­cen­lose Außen­seiter Max Schme­ling wurde zu einer lebenden Legende.